Lese-Scouts   

Leselust in Neumark

An der Oberschule gibt es die Lese-Scouts. Sie lesen, diskutieren, spielen Theater und stecken damit auch andere Schüler an.

Neumark. Das Thema Leseförderung wird in der Neumarker Oberschule großgeschrieben. Zum Beispiel gibt es im Rahmen des Ganztags-Angebotes die Lese-Scouts, die sich einmal pro Woche treffen. Schüler der achten Klassen haben begonnen, sich über ihre Bücher auszutauschen und mit Lehrerin Silvia Dürbeck eine Schulbücherei aufzubauen. Inzwischen kommen Schüler aller Klassenstufen zu den Begegnungen. Sie sitzen da, lesen sich Texte vor und diskutieren.

Vom Katzenhaus bis Panem

Im letzten Jahr hatten die Lese-Scouts die Geschichte vom Katzenhaus bühnenreif gestaltet und das Projekt mit Schülern der benachbarten Grundschule einstudiert und aufgeführt. Lara Kirmse spielte als Katze die Hauptrolle. "Wir lesen viele Bücher, das macht uns einfach Spaß", sagt sie. Die Interessen sind dabei ganz verschieden, aber Krimis und Spannungsliteratur stehen bei fast allen im Vordergrund. "Ich lese alles Mögliche, bevorzugt Krimi, aber auch querbeet. Einen Lieblingsautor habe ich nicht", sagte Sebastian Dickert. Tilman Wollner war schon oft bei "Einschließen & Genießen" in der Vogtländischen Buchhandlung Reichenbach. Von dort brachte er eine Weihnachtsgeschichte mit, die er den Mitschülern vorlas. Charleen Steindl hat als letztes "Die Tribute von Panem" gelesen, Alina Riedel "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes. Lara Kirmse hatte den Krimi "Schweig still, mein Kind" der Autorin Petra Busch auf dem Nachtisch. Ihre Lesebiografie begann mit Gregs Tagebuch.

Bei anderen weckten die Lotta-Geschichten oder das Vorlesen der Eltern die Leselust. Lisa Hiss hat gerade die Biografie von Natascha Kampusch gelesen, was andere Schüler mehr gruselt als die fiktiven Thriller. "Mich hat einfach interessiert, was wirklich passiert ist", erläuterte sie dazu.

Bevorzugter Leseort ist für die Schüler das Bett oder eine kuschelige, ruhige Ecke. "Als ich klein war, habe ich mir Phantasiegeschichten ausgedacht und aufgeschrieben", gestand Charleen. Auch Tilman hat sich am Schreiben versucht. Bei den meisten der Lese-Scouts liest wenigstens ein Elternteil. Einigen ist von zuhause her das Lesen eher unbekannt. Silvia Dürbeck ist sich sicher, dass lesende Eltern auch lesende Kinder haben. Sie erinnert sich an eine Mutti, die Hilfe bei ihr gesucht hat, weil ihr Kind nur da sitzt und liest. "Das kann ich nicht verstehen, die Mutti sollte froh sein", so die Lehrerin. Bücher hätten auch eine beruhigende Wirkung. Einer ihrer Schüler sei sonst sehr lebhaft und beim Lesen wie verwandelt.

Auswärts- und Heimspiele

Die Schüler kann man auch bei Lesungen antreffen. Zuletzt waren einige von ihnen mit Eltern und Lehrerin beim Auftritt von Stefan Schwarz in der Buchhandlung. Der humorvolle Krimi "Die Großrussin" gehört jetzt vielen der Schüler, natürlich mit Widmung.

Für das bevorstehende Sommerfest sammeln die Schüler Bücher, die sie zugunsten des Hilfsprojektes für eine Schule in Togo verkaufen. Am Dienstag ist die Schriftstellerin Antje Babendererde zu Gast. Sie liest im Rahmen Projekts "Lese- und Literaturfest auf dem Lande" aus ihrem neuesten Buch "Isegrim" vor.

 

 

 

 

Freie Presse, 10.05.2014