2014-02-07

                     

Ein Heinsdorfer freut sich auf ein Jahr USA

Richard Künzel nimmt als einziger Vogtländer an einem parlamentarischen Austauschprogramm teil. Für den Oberschüler mehr als ein Traum.

Heinsdorfergrund. Wer Richard Künzels Terminkalender durchgeht, dem stockt der Atem. Der 17-Jährige aus Heinsdorfergrund bringt aus der Oberschule Neumark nicht nur Topnoten mit nach Hause. Er ist Schülersprecher, Vorstand im Kreisschülerrat und Mitglied des Landeschülerrats. Dazu kommt Sport in olympischen Dimensionen. Mittelblocker bei den Reichenbacher Eintracht-Volleyballern, Joggen, Fahrradfahren, Snowboarden, im American Football hat er sich schon versucht. In der Big Band der Musikschule spielt er Trompete. Er wird sein Abi bauen und studieren. Und im August geht's noch für ein knappes Jahr über ein parlamentarisches Austauschprogramm in die USA. Englisch spricht er schon fließend.

Doch bei alledem - Richard Künzel lässt sich Zeit. Das Abi nach der Oberschule dauert drei Jahre, ein Jahr ist er überm großen Teich. "Im Vergleich zu anderen wären das schon zwei Jahre Verlust. Aber ich sehe das Jahr in den Staaten als gewonnenes Jahr. Und die Zeit in der Mittelschule hat mir nicht geschadet. Ich hätte auch aufs Gymnasium gehen können, aber ich wollte nach Neumark, das ist eine Topschule", erzählt Richard Künzel. Später will er studieren, vielleicht Lehramt.

Richard Künzel als Lehrer, die geistigen Väter des Austauschprogramms wären happy über diesen Botschafter gerade an einer Schule: Jedes Jahr fahren etwa 360 deutsche Jugendliche aus allen Landesteilen in die Staaten, um dort und nach ihrer Rückkehr einen Beitrag zur Verständigung beider Länder zu leisten. Genau so viele Amerikaner fahren nach Deutschland. Die Kosten des Programms tragen der Bundestag und der Kongress. Jeder Teilnehmer bekommt einen Paten aus dem Parlament. Richard Künzel hat eine Patin: die CDU-Abgeordnete Yvonne Magwas, die ihn "als einen engagierten und aufgeschlossenen jungen Mann" kennengelernt hat.

Richard Künzel hatte sich für das Programm auf eigene Faust beworben. Wohin es genau geht, weiß er noch nicht. Fest steht, er lebt in einer Gastfamilie, geht in eine High School und hält Vorträge über Deutschland. "Ich fand Amerika schon als Kind faszinierend. Seine Landschaften, seine Geschichte und Kultur, seine Musik, den Sport, den ganzen Lebensstil. Ich will aber nicht nur den Glamour sehen, den Reichtum. Ich will auch seine Schattenseiten aus eigener Anschauung kennenlernen. Ich denke, wenn man sich als eine Art Botschafter begreift, dann gehört alles dazu. Das ist ja bei Freunden so."

Richards Eltern, Vater Gerhard, der in Rodewisch Pastor ist, und Mutter Carola, werden ihren Sohn vermissen. "Aber zum Glück gibt's ja das Internet", sagt Richard Künzel und lacht. Humor hat er auch.

 

 

 

 

Freie Presse, 07.02.2014