2013-08-07

                     

Lehrer haben Hausaufgaben

Aus der Mittelschule wird auch in Neumark eine Oberschule. Was gibt es damit Neues für die Schüler? Was bewegt die Lehrer? Das war gestern Thema beim Besuch eines FDP-Bildungspolitikers.

Neumark. Die Mittelschule Neumark, die ab dem neuen Schuljahr Oberschule heißt, ist ein echtes Schmückstück geworden. 3,5 Millionen Euro wurden in den letzten Jahren n Sanierung und Anbau investiert. "Es ist schön geworden. Aber ich bin ich froh, dass der Bau vorbei ist", sagte Schulleiter Günter Franke gestern beim Besuch von Norbert Bläsner, des bildungspolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag.

Der Politiker, der im Vorjahr schon bei der Schüler-Demo gegen Lehrermangel in Neumark weilte, interessierte sich besonders dafür, wie die neue Oberschule mit Inhalten gefüllt wird. Zur Oberschulreform gehören die zweite Bildungsempfehlung nach Klasse 6, mehr Angebote der zweiten Fremdsprache, neue Leistungsgruppen und eine stärkere Berufsorientierung. Damit soll die Durchlässigkeit des Bildungssystem erhöht werden, der Wechsel nach Klasse 6 aufs Gymnasium erleichtert werden. "Wir wollen diese Schulart stärken, weil hier die Fachkräfte von morgen herangebildet werden. Talente sollen besser gefördert werden", erklärte Bläsner.

"Wir leisten seit Jahren eine erstklassige Berufsvorbereitung", erklärte Schulleiter Günter Franke. Defizite wie in Großstädten gebe es hier nicht. Ein Viertel der Schüler wechsle nach dem Abschluss an eine Fachoberschule oder ein berufliches Gymnasium. Die Durchlässigkeit des Bildungssystems in jede Richtung lobte der Schulleiter, fragte aber auch, wie das Ganze in den nächsten Jahren organisiert werden kann. "Ich soll die Schüler mehr fördern, bekomme aber meinen Ergänzungsbereich halbiert", kritisierte er. In den Ergänzungsbereich fallen individuelle Förderung, Arbeitsgemeinschaften und Klassenleiterstunden.

Was den Schulleiter außerdem drückt? Zum einen die Personalsituation: "Voriges Jahr hatten wir 33 Lehrkräfte, davon zehn Gastlehrer mit teils langen Anfahrtswegen. Da muss ich dafür sorgen, dass alle gleich ticken und die Truppe eingespielt ist. Im neuen Schuljahr kriegen wir zwei neue Lehrerinnen. Einige Gastlehrer, die von anderen Schulen abgeordnet waren, wollen sich zu uns versetzen lassen", sagte Franke. Zum anderen sind da die großen Klassenstärken: "Wir treten mit drei 5. Klassen mit je 28 Schülern an und liegen da am oberen Limit. Für vier Klassen hätten wir aber nicht das Personal. In den drei 6. Klassen sind es jeweils 27 Kinder." Außerdem hätte das Land längst klar regeln müssen, was alles unter die Lernmittelfreiheit fällt.

"Was die inhaltliche Ausgestaltung der Oberschule angeht, habe ich den Lehrern Hausaufgaben gegeben und sie mit Material versorgt. In der Vorbereitungswoche sollen sie ihre Ideen darlegen. In der Gesamtlehrerkonferenz befinden wir dann darüber. Danach wollen wir mit den Eltern in den Dialog kommen", blickt Franke voraus. Das wichtigste Ziel bleibe, die fit zu machen.

Bürgermeister Ralf Fester (FDP) gab seinem Parteifreund auf den Weg: "Die Schulträger brauchen mehr Geld. Gerade bei Schulen müsste der Freistaat den Kommunen mehr unter die Arme greifen, zum Beispiel bei den Betriebskosten." Das einst reiche Neumark gehört laut eigenem Bekunden heute zu den ärmsten Gemeinden.

 

 

Freie Presse, 07.08.2013